Signalwesen z. Zt. der Koalitionskriege
Ein wichtiger Aspekt in der Kriegsführung ist das Übermitteln von Nachrichten. An Land geschah dies in der Zeit die wir hier betrachten mit optischen Signalen wie dem Klappen- und Optischen Telegraphen. Auf See wurden Befehle und andere Mitteilungen mit Flaggen signalisiert. Zu diesem Zweck entwickelte man ein Signalsystem das in einem Signalbuch von der Admiralität der Royal Navy veröffentlicht wurde.
Der Optische Telegraph
1792 konnte der französische Techniker Claude Chappe die Nationalversammlung überzeugen eine 70 km lange optische Telegrafie-Versuchsstrecke einzurichten. Die Strecke ging von Ménilmontant nach Saint-Martin-du-Tertre. Der optische Telegraph bestand aus schwenkbaren Signalarmen, die an einem hohen Mast befestigt waren. Je nach Position der Arme konnten anhand eines Codes unterschiedliche Buchstaben übermittelt werden.
1794 entstand eine erste reguläre Telegraphenlinie zwischen Paris und Lille. Für die 270km lange Strecke wurden 22 Stationen errichtet. Die Übertragungsgeschwindigkeit eines Buchstaben lag bei 2 Minuten.
Die Funktion war folgende:
Mast, Querbalken (Regulator) Länge 4m, Signalarme (Indicator) Länge ca. 2m
Türme und Häuser und Kirchen dienen der Aufstellung der Telegraphen
Winkel der Signalarme: 45 Grad, 90 Grad, 135 Grad, 225 Grad, 270 Grad, 315 Grad und eingeklappt
Insgesamt 196 Signale davon 104 Übertragungskontrolle und 92 Nachrichtenübermittlung
Codewort= 2 Signale= 8464 Codewörter
Das Code-Buch enthielt Wörter, Zahlen, Sätze und Redewendungen. Auf 92 Seiten waren 92 Einträge möglich. Die beiden Signale bestanden aus der Seitenzahl und der Nummer des entsprechenden Codes. Nur die Anfangs- und Endstationen besitzen ein Code-Buch. Nachrichten können nur hier entschlüsselt werden. Pro Station gibt es zwei Telegraphisten.
Je nach Gelände war mit dem Fernrohr die nächste Station auf neun bis 12 km ablesbar. Eine Nachricht von Paris nach Lille dauerte im Schnitt 56 Minuten. Die 52 Stationen zwischen Paris und Straßburg benötigten im Schnitt 76 Minuten. Eine Übertragung von Paris nach Bordeaux konnte über 81 Stationen in 95 Minuten übermittelt werden. Napoleon nutzte das System zur Kommunikation zwischen den einzelnen Truppenteilen. Da die Nachrichten von Jedermann mitgelesen werden konnten, benutzte man Geheim-Codes. Die Botschaft von der Rückeroberung der Stadt Quesnoy bei Lille am 15. August 1794 erfuhr Paris nach einer Stunde. Ein reitender Bote hätte für die gleiche Strecke 24 Stunden benötigt.
Anfrage aus Paris: Gibt es bei der Armee etwas Neues? Antwort nach 45 Sekunden: Nein.
Die Übertragungsgeschwindigkeit steigert sich auf 20 Minuten von Paris nach Toulon (700km). Mit den Eroberungszügen Napoleons weiteten sich auch die Telegraphenlinien aus. So z. B. von Paris bis Mailand und Venedig und von Paris über Metz nach Mainz. Hier endete die Strecke zunächst auf dem antiken Drususstein. Auch in England suchte man nach einem System der Nachrichtenübermittlung.
Der Klappentelegraph
Ein von Lord George Murray im Jahre 1795 erfundenes System mit sechs Klappen und 64 darstellbaren Zeichen überzeugte die englische Admiralität.Diese sechs Klappen konnten in horizontale und vertikale Richtungen gedreht werden. Dies ergab die Möglichkeit das Alphabet die zehn Zahlen und einige Sonderzeichen zu übertragen. Zunächst gab es eine Verbindung von London nach Deal an der Ostküste sowie nach Sheerness mit 16 Stationen. Die Übermittlung einer Nachricht dauerte eine Minute. 1808 gab es bereits 65 Anlagen. Für optische Anlagen war das Wetter auf der Insel aber nicht immer geeignet.
Signalhandbuch der Royal Navy
Bis 1799 hatten die einzelnen Admirale in der Royal Navy ihr eigenes Signalsystem. Dies führte bei Kommandowechsel regelmäßig zu Verwirrungen. In diesem Jahr brachte die Admiralität das erste verbindliche Signalbuch heraus. Es beinhaltete alle Standardsignale für die gesamte Flotte. Die Ausarbeitung übernahm Kapitän Gambier, leitendes Mitglied des Board of Admiralty. Neben diesem Werk gab es noch ein Ergänzungssystem von Home Popham das 1803 von der Navy übernommen wurde. Im Jahre 1816 fasste man sie in dem Band „Buch der Signale“ zusammen.
Es sind einige handschrifliche Signalbücher erhalten, wie sie Offiziere die kein gedrucktes Buch hatten angefertigt haben. Diese Praxis wurde verboten, da sie leicht in die Hände des Feindes fallen konnten. Einige enthalten Zeichnungen und Gefechts- und Segelbefehle, sowie Schlüssel zum britischen und französichen Küstensignalsystem.
© National Maritime Museum, Greenwich, London
Vorderseite des Signalbuches für Kriegsschiffe mit Nelson´s Unterschrift
Bild-Referenznummer: F3695-1 National Maritime Museum, Greenwich, London
Titel und Einleitung des Signalbuches von Sir Home Popham 1803
TELEGRAPHIC SIGNALS;
OR
MARINE VOCABULARY
BY
SIR HOME POPHAM,
COMMANDER OF THE ILLUSTRIOUS ORDER OF ST. JOHN OF JERUSALEM F.R.S.
AND CAPTAIN IN THE ROYAL NAVY
PRINTED FOR T. EGERTON, MILITARY LIBRARY,
NEAR WHITHALL
1803
TO THE
RIGHT HONOURABLE
JOHN EARL SPENCER; K.G.F.R.S
(LATE FIRST COMMISSIONER OF THE ADMIRALTY)
My Lord,
IN the memorable and popular administration
of your Lordship, which was crowned with the most brilliant suc-
cess I had the honour of submitting to you the idea on which
I proposed to form these signals, and your handsome appreciation
of their probable utility, has induced me to persevere in the
completion of them.
AN DEN
RECHT EHRENWERTEN
JOHN EARL SPENCER; K.G.F.R.S
EHEMALIGER ERSTER KOMMISSAR DER ADMIRALITÄT
Mylord,
In der denkwürdigen und populären Verwaltung
Eurer Lordschaft, die mit dem glänzendsten Erfolg gekrönt war
hatte ich die Ehre, Ihnen die Idee zu unterbreiten,
auf der ich diese Signale aufbauen wollte, und ihre wahrscheinliche
Nützlichkeit hat mich dazu veranlasst,
sie zu vollenden.
(ii)
As a tribute of gratitude, I now presume to offer them to your
Lordship´s consideration, and subscribe myself, with the sincerest respect,
My Lord,
Your Lordship´s
Most devoted
And faithful humble servant,
HOME POPHAM,
ROMNEY, Sheerness,
2 May, 1803
(ii)
Als Tribut der Dankbarkeit erlaube ich mir nun, sie Ihrer
Lordschaft zur Kenntnis zu geben und unterzeichne mit dem aufrichtigsten Respekt,
Mylord,
Euer Lordschaft's
Ergebenster
und treuer demütiger Diener,
HOME POPHAM,
ROMNEY, Sheerness,
2. Mai, 1803.
Romney, Sheerness, Nov. 1, 1800
INTRODUCTION
THIS Vocabulary was originally made to facilitate the convey-
ance of messages from the Romney off Copenhagen, to Admiral
Dickson off Elsineur; ist utility was in that instance so obvious,
and so generally allowed by the captain of the north Sea squa-
dron, that Sir Home Popham conceived it might be brought into
more extensive practice, and has already given copies to different
officers, with the request, that they will point out any improvement,
and send it to Lord Spencer, who has the original for consideration
how far it may be expedient to print it, and bring it forward for
general usc.
It is by no means intended to interfere with the established sig-
nals, as a single signal is certainly the most efficient for military
evolutions.
It frequently however happens that officers wish to make com-
munications of very essential moment far beyond the capacity of
the established signals, and it is presumed that this Vocabulary will
afford such vonvenience.
Romney, Sheerness, Nov. 1, 1800
EINLEITUNG
Dieses Vokabular wurde ursprünglich angefertigt, um die Übermittlung von Nachrichten von der Romney vor Kopenhagen an Admiral Dickson vor Elsineur zu übermitteln; sein Nutzen war in diesem Fall so offensichtlich,und vom Kapitän der Nordseeschwadron so allgemein anerkannt dass Sir Home Popham auf die Idee kam, das sie in die Praxis umgesetzt werden könnte, und hat bereits Kopien an verschiedene Offiziere verteilt, mit der Bitte, ihn auf eventuelle Verbesserungen hinzuweisen, und sie an Lord Spencer zu schicken, der das Original zur Prüfung hat in wie weit es zweckmäßig sein könnte, es zu drucken und zum allgemeinen Gebrauch zu bringen.
Es ist keineswegs beabsichtigt, die bestehenden Signale zu beeinträchtigen, ein einzelnes Signal ist aber zweifellos das effizienteste für militärische Entwicklungen.
Es kommt jedoch häufig vor, dass Offiziere sehr essentielle Mitteilungen zu übermitteln haben, die die Kapazität der etablierten Signale bei weitem übersteigt, und es wird angenommen, dass dieses Vokabular eine Verbesserung bieten wird.
Fahnen der Royal Navy
Signalflaggen
© National Maritime Museum, Greenwich, London
Fahnen