Bewaffnung
Schiffsartillerie
Schiffsgeschütze waren auf Lafetten gelagerte eiserne Glattrohre, sogenannte cannons. Die Lafette war ein hölzernes Gestell mit vier Rädern. Die Seitenwände waren nach hinten abgestuft. Die Geschützrohre hatten Schildzapfen mit denen sie auf der Lafette befestigt wurden. Die Kanone wurde von vorne geladen, indem zunächst die Treibladung aus Schwarzpulver, sodann das Geschoss und zum Schluss ein Verdämmungspfropfen eingeführt wurden. Gezündet wurde mit dem Luntenstock und später mit einem am hinteren Ende angebrachten Steinschloss. Das Vorderladergeschütz war mit Tauen an der Bordwand gesichert. Die schwersten Geschütze standen im unteren, durchgehenden Batteriedeck. Ein 76-Kanonenschiff der 3. Klasse hatte z. B. auf dem unteren Batteriedeck 28 32-Pfünder, auf dem mittleren 28 18-Pfünder und auf dem oberen Deck 18 9-Pfünder Kanonen. Karronaden waren Anfangs Zusatzgeschütze und wurden nicht mitgezählt.
Schiffsgeschütze | Gewicht | Reichweite (gerade) | Reichweite (6 Grad Erhöhung) | Bedienung |
42-pfünder | 3,25t | 365m | 2505m | 16 |
32-pfünder | 2,90t | 365m | 2414m | 14 |
24-pfünder | 2,75t | 365m | 1810m | 12 |
18-pfünder | 2,10t | 365m | 1929m | 10 |
12-pfünder | 1,60t | 343m | 1207m | 10 |
9-pfünder | 1,23t | 302m | 1582m | 8 |
6-pfünder | 1,10t | 292m | 1422m | 4 |
4-pfünder | 0,61t | 283m | 1143m | 4 |
3-pfünder | 0,36t | 274m | 1120m | 2 oder 3 |
Carronade
Nachdem die Karronade 1774 im schottischen Carron von Robert Melville entwickelt worden war, kam 1779 eine marinetaugliche Version in Gebrauch. Zunächst kam sie auf Linienschiffen und Fregatten als Zusatzbewaffnung zum Einsatz. Die HMS Victory hatte auf der Back zwei 68-Pfünder Karronaden. Kleinere Schiffe, wie Sloops und Korvetten, die gänzlich mit Karronaden bestückt waren, führten zum Ausgleich der kurzen Reichweite meist zwei langrohrige Jagdgeschütze mit sich.
1782 wurden in der englischen Flotte 157 Schiffe mit Karronaden ausgestattet. Der Nachteil der kürzeren Reichweite wurde durch die Gewohnheit der Engländer den Nahkampf auf 100-20m zu suchen ausgeglichen. Im Krieg mit den USA 1812-1814 zeigte sich allerdings die Überlegenheit der Treffsicherheit amerikanischer Langrohrgeschütze. Mit Karronaden bestückte englische Fregatten waren im Einzelgefecht den Amerikanern unterlegen.
Das kurze Rohr ohne Züge und das große Kaliber hatten auf kurze Distanz eine verheerende Wirkung, da die Kugel die gegnerische Bordwand zerschmetterte, was einen enormen Splitterregen zur Folge hatte.
Unterschied zu herkömmlichen Kanonen:
Kürzerer Lauf
Geringeres Gewicht
Kleinere Pulverladung
Geringere Mannschaft an Geschützbedienung
Genauere Bohrung
Visierstück angegossen
Höheneinrichtung mit Schraubenspindel
Dem gegenüber stand aber die kürzere Reichweite und Trefferungenauigkeit bei größerer Entfernung.
Geschützklasse | Länge | Gewicht | Kaliber | Effektive Reichweite | Max. Reichweite bei 10% Erhöhung |
68-pfünder | 2,03-1,22m | 1400-1800kg | 20,4cm | 400m | ca. 1100m |
32-pfünder | 1,23m | 870kg | 15,9cm | 300m | 995m |
24-pfünder | 1,10m | 600kg | 14,4cm | 250m | 960m |
12-pfünder | 0,67cm | 292kg | 11,5cm | 210m | 800m |
9-pfünder lang | 2,74m | 1300kg | 10,7cm | 270m | 1650m |
4-pfünder | 1,83m | 541kg | 8,2cm | 200m | 1300m |
Geschosstypen
Eiserne Vollkugeln, Stangenkugeln, Kettenkugeln, Grapeshot
Congreve Raketen
Mit der Verbesserung der Pulverqualität im Jahre 1787 durch die Herstellung der Holzkohle in Metallzylindern konnte die Explosionskraft um 40% gesteigert werden. Diese Erfindung durch Richard Watson ermöglichte es William Congreve nach verschiedenen Experimenten eine Dreipfünder Rakete mit einer Reichweite von 1645m zu entwickeln. 1805 glückte auch der Bau einer Sechspfünder Rakete mit einer Reichweite von 2100m. Die Rakete bestand aus einem Eisenzylinder mit der Treibladung und dem Geschoss, dieser war an einem Holzstab von 4,5m Länge befestigt und wurde durch eine Lunte gezündet. Sie wurden von einem Gestell abgefeuert. Am geeignetsten war der Einsatz mit Brandsätzen auf grossflächige Ziele wie 1806 Boulogne und Kopenhagen 1807. Gezielte Schüsse waren mit den sogenannten Congreve Raketen nicht möglich.
Ein 1807 gebauter Brander die HMS Erebus wurde zu einem Raketenschiff umgebaut. Sie war mit 32-Pfund-Raketen ausgestattet. Diese wurden durch Löcher im Rumpf vom unteren Batteriedeck aus abgefeuert. Im British-Amerikanischen Krieg kam sie im Jahre 1814 vor Fort McHenry zum Einsatz.
Leichte Geschütze (Drehbassen, Swivelbuss)
Die Drehbasse ist ein leichtes, drehbares Vorderladergeschütz mit einer kurzen Reichweite. Durch die Befestigung auf einem Drehzapfen konnte das Geschütz in alle Richtungen von Hand geschwenkt werden. Da sie mit gehackten Blei, Eisen, oder Nägeln geladen werden konnte, kam sie vorwiegend gegen feindliche Mannschaften auf kurze Distanz zur Anwendung. Außer als Waffe, konnte sie auch zum Signalschießen verwendet werden. Ihr Einsatz war auf Grund der geringen Größe auch auf kleineren Schiffen möglich.
Handfeuerwaffen
Black Sea Service Muskete
Das Gewehr hatte einen glatten Lauf vom Kalieber .75 (19,05mm) und wurde mit leicht unterkaliebrigen Rundkugeln (.69/17,526mm) geladen.Die Waffe für die Infantrie hatte eine Länge von 157cm. Der eiserne Ladestock fand erst 1756 Verwendung. Im Jahre 1768 wurde das Modell Short Land Musket eingeführt, mit einer Länge von 148cm welches auch die Marine übernahm. Es gab eine Version mit blanken Lauf und eine mit geschwärztem. Diese Black Sea Service Muskete war wohl für die an der Waffe ausgebildeten Matrosen vorgesehen, die nicht so viel Zeit für die Waffenpflege aufbringen konnten, wie die Marine Infantrie.
Ab 1802 erschien das Modell New Land Pattern mit einer Länge von 148.5cm. In der langen Zeit vom Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) bis nach Waterloo (1815) war sie die Standardwaffe der englischen Infantrie. Die Eizelteile waren untereinander austauschbar und konnten daher von verschiedenen Herstellern angefertigt werden.
Sea Service Pistole
Diese Pistole besaß einen 12-Zoll-Lauf, der in den 1790er Jahren auf 9 Zoll verkürzt wurde. Sie hatte ein Kaliber von .62. und war mit einem Stahlgürtelhaken von 7 1/2 Zoll Läng e versehen. In den napoleonischen Kriegen mussten so hohe Stückzahlen gefertigt werden, dass die Qualität darunter zu leiden begann. Als Signatur zeigen die Schlösser nach 1764 die „Tower“ Marke und das Monogramm des Königs. Als weiterer staatlicher Stempel ist auf dem Schloss und auf dem Lauf der „Broad Arrow“ eingeschlagen. An Bord war das rosten der Waffen ein ständiges Problem. Man versuchte dem entgegen zu wirken, indem man die Metallteile mit Teer einstrich. Gängige Praxis war es offenbar auch, dem Gegner nach der Schussabgabe die Waffe als Geschoss entgegen zu schleudern. Auch als Unterarmschutz gegen Säbelhiebe musste die Pistole herhalten. Ein weiterer Gebrauch war danach oftmals ausgeschlossen.
Donnerbüchse
Im englischen Blunderbuss und im französischen Tromblon genannte Schusswaffe mit trichterförmigen Lauf. Grosse Ausführungen wurden auch als Drehbassen an der Reling befestigt. Die Waffe konnte mit Bleikugeln aber auch mit Nägeln oder ähnlichem geladen werden. Auf kurze Entfernung erzeugte sie eine große Streuung.
Handgranaten
Handgranaten hatten einen Durchmesser von 7-10 cm und waren aus Eisen. Ihr Hohlkörper war mit Schießpulver gefüllt und wurde durch eine Brandröhre gezündet. Der Explosionsdruck erzeugte einen Hagel aus Eisensplittern.
Hieb- und Stichwaffen
Pike
Länge 2,10m Halbpike 1,20m
Cutlass
Als Entermesser im Nahkampf für die englische Marine entwickelt, verwendete man es vom 16. bis in das 19. Jhd. Die Waffe war aus preiswertem Stahl gefertigt und hatte eine breite, gerade Klinge sowie einen geschlossenen Handschutz. Länge ca. 82cm und ca. 1500 g schwer.
Bordaxt
Man benutzte sie als Werkzeug zur Brandbekämpfung und zur Holzbearbeitung. Als Waffe eingesetzt diente sie zur Abwehr von Enterern und zum durchtrennen von Enternetzen und Enterhakentauen.
Marinedegen
Marineoffiziere trugen Degen und Säbel wie sie auch bei der Infanterie üblich waren. Auch Kavalleriesäbel wurden getragen. im Gefecht bevorzugten aber auch viele Offiziere das normale Entermesser. In den 1780er Jahren wurde das sogenannte Five-Ball-Spadroon eingeführt um eine einheitliche Waffe zu haben. Das erste vorschriftsmäßige Schwert erschien 1805. Es besaß eine gerade Klinge und einen Steigbügelgriff, die Länge betrug 90,5cm. Es blieb bis 1827 im Einsatz.
Marinedolch
Der Marinedolch diente den Midshipman, den „jungen Gentleman“ nicht nur zur Zierde, sondern auch als Kampfdolch. Man erwartete von ihnen, dass sie sich an den Kampfhandlungen beteiligten und z. B. eine Gruppe von Matrosen beim Entern anführten. Es gab Offizier, die diese Waffe sogar noch als Kapitäne im Kampf benutzten. Man könnte sie bei einer Länge von ca. 50cm als kleinen Degen bezeichnen.